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AKH

   NATEN

Premiere  am 27.08.2022 Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München

MUSIKALISCHE LEITUNG ERNST BARTMANN  REGIE ANDREAS WIEDERMANN   AUSSTATTUNG AYLIN KAIP  

MIT
KIUK KIM / CAROLIN RITTER / DILAY GIRGIN / ROBSON TAVARES / JINJIAN ZHONG / KONSTANTIN RIEDL / ROTEM WEISSMANN und dem OPERA INCOGNITA CHOR

FOTOS Aylin Kaip

von Philip Glass

Inhalt:

Als Abschluss seiner Trilogie über bedeutende Visionäre und Denker vollendete Philip Glass seine Oper über den ägyptischen Pharao Echnaton 1984. Nach Einstein und Gandhi widmete er dem wohl zwiespältigsten und rätselhaftesten Visionär seiner Trilogie eine Art persönliche Auseinandersetzung, ein fast aleatorisch anmutendes Spiel mit Perspektiven und Sinnzusammenhängen von Geschichte und Glauben. In einer Fülle an frei assoziierten szenischen Räumen richtet Glass, der in diesem Werk auch als Librettist fungiert, die Perspektive auf eine Art halluzinierte Lebensgeschichte der 17 Jahre währenden Herrschaft Echnatons. Glass schuf ikonographische Raumzeitstrukturen, die sich elliptisch jeweils einem einzigen thematischen Zentrum widmeten. In großangelegten musikalischen Bewusstseinsströmen schuf er ein opulentes Panorama, das die Zuschauenden vom Tod des Vaters, der Krönungszeremonie Echnatons bis hin zur Installierung des sagenumwobenen Aton- Kults und dessen Abschaffung führt. Einer der zahlreichen Höhepunkte der Oper ist nicht zu zuletzt der „Hymnus“, Echnatons möglicherweise selbstverfasste Ode an die Sonne. Auch private Aspekte des frühen Begründers eines staatlichen Monotheismus finden Platz in Glass‘ großangelegter Musikarchitektur. Echnatons Heirat mit Nofretete und ihre sechs gemeinsamen Töchtern werden ebenso Kapitel zugeordnet wie der gemeinsamen Schöpfung der neuen Hauptstadt des Reiches – Achet-Aton, dem Bau eines neuen Tempels, der Zerstörung der alten Götter und des bis dahin geltenden Amun-Kults. Auch der Schaffung des berühmten Sonnen-Hymnus wird ein gewaltiges musikalisches Monument errichtet, bevor die Oper eine Brücke in unsere Gegenwart baut und die längst vergessenen brutalen Auseinandersetzungen zwischen Herrscher und Verwaltungsapparat als Spuren im Sand der Geschichte beschreibt. Neben alten Pyramidentexten und Elogen auf ägyptisch, akkadisch und aramäisch verwebt Glass die Texte einer Schreiber-Figur zu einem großen, symbolischen Porträt der vielleicht umstrittensten Figur der altägyptischen Geschichte. In einem sinnlichen Diskurs wird über den persönlichen Rachefeldzug Echnatons gegen die Gedankenwelt seines dominanten Vaters Amenophis III ebenso diskutiert wie über den aggressiven Machterhalt, die verbissene Errichtung einer neuen staatlichen Ordnung und die Vergeblichkeit menschlicher Ambition angesichts des übermächtigen Urteils der Nachtwelt. Der Gebrauch von Inzest, der staatlich verordnete Bildersturm und die exzessive Symbolpolitik lassen heute Zweifel an der Integrität des „Visionärs“ Echnaton aufkommen. Zahllose kritische Stimmen renommierter Altertumsforscher zeichnen mittlerweile ein ambivalentes Bild dieses so zurückgezogenen wie machtbewussten Herrschers.

Pressestimmen:

"Die Kostüme bewegen sich zeitlos irgendwo zwischen Buddhismus und den Hohepriestern der Oberammergauer Passionsspiele. Mit sparsamen Mitteln gelingt eine opernhafte Steigerung des szenischen Aufwands, die alles in den Schatten stellt, was man von freien Gruppen gewöhnt ist (Ausstattung: Aylin Kaip).“

Abendzeitung München 29.08.22